Ideen für eine starke Sozialdemokratie.
Mein Name ist Gerhard Zeiler, ich bin seit mehr als 50 Jahren Mitglied der SPÖ.
Offenen Brief lesenStatement als Text lesen
Mir ist es bei meinem Angebot darum gegangen, einen Erneuerungsprozess in der SPÖ einzuleiten, denn der bisherige Kurs hat Österreich und die Sozialdemokratie in eine falsche Richtung geführt. Dem hat die Parteispitze am Sonntag mit der Ernennung von Markus Marterbauer Rechnung getragen. Ich wünsche ihm aus ganzem Herzen erstens ein schnelles Gesundwerden und zweitens viel Erfolg, wenn er die SPÖ übernimmt. Aber auf der anderen Seite werde ich es mir nicht nehmen lassen, beständig auf die notwendigen Lösungen hinzuweisen, die Österreich und die SPÖ benötigen, damit wir nicht gegen die Wand fahren und damit Österreich auch in Zukunft ein erfolgreiches, ein soziales und ein gerechtes Land bleibt. Das erfordert Mut und das erfordert vor allem auch neue Ideen. Und über diese neuen Ideen werden Sie von mir in den nächsten Wochen und Monaten viel hören.
Bruno Kreisky hat ein Versprechen gegeben:
Leistung, Aufstieg, Sicherheit.
Noch heute profitiert Österreich davon.
Ich bin in einer kleinen Wohnung in Ottakring bei meinen Großeltern aufgewachsen. Wir hatten nicht einmal ein eigenes Badezimmer.


Dank der Politik der SPÖ habe ich die Chance bekommen, mir etwas aufzubauen.
Aus eigener Kraft.
Heute möchte ich dem Land, dem ich alles verdanke, etwas zurückgeben und meinen Beitrag leisten, dass Österreich auch in Zukunft ein Land ist, in dem es
Wohlstand gibt, von dem jede und jeder profitiert,
Gesundheitsversorgung und Pflege für alle, die es brauchen,
Gehälter, von denen man sich ein anständiges Leben leisten kann,
und eine starke Wirtschaft, die all das ermöglicht.
Ich habe viel von der Welt gesehen und kann aus tiefster Überzeugung sagen:
Österreich ist das beste Land der Welt.
Damit das so bleibt, brauchen wir Optimismus, Aufschwung und Veränderung.
Ich will dieses Land nicht jenen überlassen, die nur andere gegeneinander aufhetzen, Hass und Zwietracht säen.
Österreich
braucht heute
Hirn,
Herz
und Mut
für die neue Zeit.
Offener Brief an die Mitglieder, 2. Oktober 2026
Brief
an die Genossinnen und Genossen
Liebe Genossinnen und Genossen,
Wahrscheinlich wart Ihr über meine Ankündigung überrascht, Parteivorsitzender der SPÖ werden zu wollen. Deswegen möchte ich mich jetzt direkt an Euch wenden.
Ich habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche in der SPÖ geführt. Und diese Gespräche haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass es absolut möglich ist, den Siegeszug der Rechten aufzuhalten. Aber nur, wenn wir – die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Österreich – uns ändern, eine Neuausrichtung der Partei vornehmen und sie in die Mitte führen. Das ist der Grund, warum ich Parteivorsitzender werden möchte.
Ganzen Brief lesen
Österreich ist ein wunderbares Land. Leistung, Aufstieg, Sicherheit – der Kurs Bruno Kreiskys – haben uns zu einem weltweiten Vorbild gemacht. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder die gleichen Chancen auf eine gute und sichere Zukunft erhalten.
Das wird aber nur möglich sein, wenn es eine starke sozialdemokratische Partei gibt.
Wenn wir das nicht schaffen, dann werden wir erleben, was das Vorbild von Herbert Kickl – Viktor Orbán – in 16 Jahren aus Ungarn gemacht hat: ein ärmeres, ungerechtes und korruptes Land.
Ein paar Worte über mich: Ich komme aus einer ur-sozialdemokratischen Familie. Geboren in Wien-Ottakring, aufgewachsen mit meinem Zwillingsbruder bei meinen Großeltern in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Gemeindebauwohnung ohne Bad, so wie es damals eben gang und gäbe für eine Arbeiterfamilie war. Mit 24 wurde ich Pressesekretär von Unterrichtsminister Fred Sinowatz und unterstützte ihn und Franz Vranitzky weiter im Bundeskanzleramt.
Ich hoffe, Ihr seid nicht ungehalten, wenn ich die Lage der Partei nüchtern, ungeschminkt und in klaren Worten beschreibe: Die SPÖ ist auf dem Weg, bundespolitisch irrelevant zu werden. Umfragen sehen uns bei 15 %1 mit Tendenz nach unten und in realer Gefahr, sogar von den Grünen überholt zu werden. Dazu in vielen Bundesländern – vor den Landtagswahlen in Oberösterreich, Tirol, Kärnten, Salzburg und Niederösterreich, die allesamt in den nächsten zwei Jahren stattfinden werden – eine Situation, in der wir in Gefahr sind, ohne Rückenwind aus dem Bund zwischen Schwarz und Blau zerrieben zu werden. Aber diesen Rückenwind gibt es nicht. Im Gegenteil. Und daher gibt es keinen anderen Weg, als JETZT die Veränderung herbeizuführen. Wenn wir es jetzt nicht tun, wird es zu spät sein, wird der Vorsprung der anderen nicht mehr aufzuholen sein.
Die SPÖ muss in die Mitte rücken, muss wieder die Positionierung einnehmen, in der sie erfolgreich war und wieder sein kann.
Ich möchte, dass die SPÖ wieder die Partei des sozialen Aufstiegs wird. Viele junge Menschen können sich trotz harter Arbeit heute nichts mehr aufbauen. Das zu ändern, ist für mich die zentrale Aufgabe der Sozialdemokratie.
- Ich will die SPÖ wieder zu einer Partei machen, die für einen breiten sozialen Aufstieg sorgt – mit guten Arbeitsplätzen, einer starken Wirtschaft und einem Staat, der wieder ordentlich funktioniert.
- Für die Familien, die sich darauf verlassen können, dass unsere öffentlichen Schulen und unsere öffentliche Gesundheitsversorgung ordentlich funktionieren, ohne dass sie zusätzlich dafür Geld ausgeben müssen.
- Ein Österreich, das Leistung belohnt, das jene unterstützt, die unverschuldet in Not geraten sind und die nicht arbeiten können. Aber eben nicht jene, die nicht arbeiten wollen. Das können wir uns und das dürfen wir uns nicht mehr leisten.
- Ein Österreich, das wirtschaftlich stark genug ist, um soziale Sicherheit zu garantieren.
- Ein Österreich, in dem die Gleichberechtigung von Mann und Frau gelebt wird – und da haben wir noch viel zu tun. Und ein Österreich, das sicher ist, wo Frauen sich nicht fürchten müssen, in der Nacht auf die Straße zu gehen.
- Ein Österreich, das nicht duldet, dass Menschen – egal ob österreichische Staatsbürger oder nicht – sich über unsere Gesetze hinwegsetzen, und diesen auch mit harten Konsequenzen begegnet.
Dafür benötigen wir eine starke Wirtschaft. Die Betriebe zu entlasten, sie von einer überbordenden Bürokratie zu befreien, ihnen Anreize für Investitionen zu geben und damit Arbeitsplätze zu schaffen, ist jetzt die Priorität Nummer eins. Denn als eines der europäischen Schlusslichter in Bezug auf Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Dynamik können wir unsere Ziele nicht verwirklichen.
Mir ist bewusst, dass Ihr die ständigen Führungsdiskussionen in der Partei und den Streit zwischen manchen Spitzenfunktionären leid seid. Und ich hoffe wie Ihr auch, dass es eine rasche Entscheidung über Führung und Richtung der SPÖ geben wird. Aber diese Diskussion und Entscheidung muss jetzt sein, denn ein „Weiter so“ würde bedeuten, dass wir wirklich zur Kleinstpartei verkommen.
Bitte unterstützt meinen Weg der Erneuerung unserer Partei, egal ob dieser Weg über einen Parteitag oder eine Abstimmung der Mitglieder geht. Ich verspreche Euch, dass ich als Erstes alles daransetzen werde, die Einigkeit und Geschlossenheit aller Teile der SPÖ wiederherzustellen. Denn nur so können wir wieder führende Kraft werden. Damit auch die zukünftigen Generationen in einem Österreich der Chancen und Möglichkeiten leben können.
1 Umfrage von Unique Research für „Heute“, veröffentlicht am 1. Oktober 2026, 810 Befragte, Schwankungsbreite ±3,4 Prozentpunkte. Bericht auf heute.at

Gerhard Zeiler